„Ich kann auch pünktlich sein“ – ein Spanier träumt von Deutschland

Die Arbeitslosigkeit ist in Spanien seit 2014 um mehr als ein Prozent gesunken. Das ist jedoch nicht nur der Politik zu verdanken, sondern auch der Abwanderung meist junger Leute. Das Land kämpft immer noch mit niedrigen Löhnen und befristeten Arbeitsverträgen. Ein Grund für Manolo Alarcón Ther seine Zukunft in Deutschland zu planen.

Spanien ist innerhalb der EU von der Jugendarbeitslosigkeit mit am stärksten betroffen. Rund 53 Prozent der unter 25-Jährigen sind dort ohne Job. Für Manolo stand früh fest: Auch er will nach Deutschland. Da sein Vater Deutscher ist und der 21-Jährige somit zwei-sprachig aufgewachsen ist, stellt zumindest die Sprache keine Probleme für ihn da. Seit vier Jahren studiert der junge Deutsch-Spanier Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität in Madrid.

Großer Druck des Arbeitsmarktes

Grund für dieses sehr anspruchsvolle Fach war zum Einen schon seine Leidenschaft für Technik: „Als ich noch klein war, haben wir in unserem spanischen Dorf immer Autos gebaut und dann Rennen gestartet“, erzählt Manolo, der in Jeans und T-Shirt vor seinem Bier sitzt. Und stolz fügt er hinzu: „Meins war natürlich immer das schnellste, weil ich es immer noch weiter verbessern wollte. So habe ich sehr viel gelernt.“

Ein weiterer Grund für ein Ingenieursstudium war aber auch der Druck des Arbeitsmarktes. So geht am Studium kein Weg vorbei, auch wenn der leidenschaftliche Tüftler lieber gleich etwas Praktisches gemacht hätte: „Ohne Studium hat man fast keine Chancen auf einen Job – jedenfalls auf keinen, von dem man Leben kann“, sagt Manolo.

Er war der einzige mit Abitur

IMG_1840_BGAus seiner ehemaligen Schulklasse aus einem kleinen Dorf im Süden von Spanien war der Deutsch-Spanier, mit seinen blonden Haaren und den blauen Augen seines Vaters, der einzige junge Mann mit Abitur. Und der einzige aus dem ganzen Landkreis, der dann für ein Studium weggezogen ist. „Meine Freunde zuhause haben in der Landwirtschaft angefangen. Oder auch als Mechaniker. Natürlich alles keine gut bezahlten Jobs. Und auch nicht gerade anspruchsvoll“, erklärt Manolo.

Also musste er studieren, um einmal etwas Besseres zu bekommen. Als Ingenieur hat er gute Chancen: „In meiner Branche sieht es ganz gut aus. Selbst in Spanien bekommen fast alle mit diesem Studium einen Job.“ 90% würden gleich nach dem Bachelor den Berufseinstieg als Ingenieur schaffen, andere machen noch den Master in Spanien. Aber einige seiner Freunde gehen wie er ins Ausland. „In Deutschland werde ich locker einmal das Doppelte verdienen. Diese Chance will ich mir nicht entgehen lassen“, sagt der angehende Ingenieur.

Deutschland als Paradies für Ingenieure

Um den Einstieg in Deutschland zu schaffen, plant Manolo erst einmal einen Master in München zu machen: Er möchte sich dann auf Fahrzeugtechnik spezialisieren. Später keinen Job zu finden? Darüber macht er sich keine Sorgen: „Ich habe dann einen Bachelor und einen Master. Und ich kann die Sprache. Ich glaube als Ingenieur in Deutschland muss ich nie Angst vor Arbeitslosigkeit haben“, sagt Manolo voller Zuversicht.By David Kostner via Wikimedia Commons

Ein paar negative Punkte gibt es natürlich aber auch: „Ich werde die spanische Mentalität vermissen. Die Menschen in Spanien sind nicht so ernst und spontaner als die Deutschen. Die planen eher alles durch“, sagt der 21-Jährige. Und an die deutsche Pünktlichkeit müsse er sich auch erst einmal gewöhnen: „Hier in Spanien komme ich schon oft mal eine halbe Stunde zu spät. Aber ich werde mich anpassen müssen. Ich kann auch deutsch und pünktlich sein. Wenn ich möchte“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Die große Ungewissheit

Manolo steht aber auch vor einer großen Ungewissheit. Vor einem großen Abenteurer. Er fragt sich oft: „Wie wird es in Deutschland? Wird alles so klappen, wie ich es mir erhoffe? Werde ich Spanien sehr vermissen? Wo werde ich arbeiten? Werde ich glücklich sein?“ Andererseits sieht er das ganze auch entspannt und die Ungewissheit ist gerade spannend für ihn, sagt er. „Um ehrlich zu sein hab ich keine Plan wie es sein wird. Ich weiß nur, dass es anders wird. Etwas Neues. Etwas Aufregendes. Und darauf freue ich mich.“

Und für viele anderen Europäer bestimmt unverständlich freut sich Manolo auf das oft kalte und regnerische Wetter im Süden von Deutschland: „Ich mag die Hitze nicht! Aber ich liebe Schnee und Skifahren. Da kann es keinen besseren Ort als München geben.“ So ist es vielleicht auch kein Wunder, dass Monolo für einen Spanier, oder selbst für einen in Madrid lebenden Deutschen, sehr blass ist.

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