Willkommen in Deutschland – Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft

Im Rahmen meiner Arbeit durfte ich im September in einer Flüchtlingsunterkunft drehen. Und von diesen beeindruckenden Menschen, die ich dort treffen durfte, will ich hier schreiben.

12000039_414248372108961_1312307005_nIch habe diesen Text als Facebook-Post einen Tag nach meinem Besuch in der Asylunterkunft in Feichten geschrieben. Ich habe ihn hier unverändert übernommen. Die Begenung mit den Menschen in diesem Haus hat mich derart überwältigt, dass ich es aufschreiben musste.
Der Text ist zusätlich in der Samstagsausgabe des Alt-Neuöttinger Anzeiger erschienen, in der Kategorie „Wort zm Leben“ (siehe Bild).

„Ich durfte gestern im Pfarrverband Feichten mit Pfarrer Michael Witti und Christine Limmer den engagierten Männern und Frauen vom Helferkreis Asyl über die Schulter schauen. Ein Wahnsinn was hier geleistet wird. Seit Weihnachten gibt es im Ort eine Asylunterkunft mit rund 35 Gästen. Junge Männer in meinem Alter, viele aus Afghanistan. Die meisten sprechen Dank des ehrenamtlich organisierten Deutschunterrichts schon fließend Deutsch. Sie haben mir von ihrem Leben hier in Deutschland erzählt, dass sie wegen der Taliban aus ihrer Heimat geflohen sind. Und von ihren Plänen für die Zukunft. Einer Zukunft in Deutschland.
Nach knapp über einem halben Jahr haben die ersten jetzt eine Arbeitsstelle. Gufran hat den Sommer über im Schwimmbadkiosk gearbeitet und will bald bei einer großen Fabrik als Arbeiter anfangen. Er nimmt dort niemand eine Arbeitsstelle weg. Die Betriebe in der Region suchen händeringend Arbeiter – ganze Produktionsstraßen stehen still. Naseer möchte im Pflegeheim arbeiten. Er würde gerne ein Praktikum machen, aber das ist schwierig. Die bürokratischen deutschen Auflagen…Die beiden sind nur exemplarisch für die anderen genannt. Die freundliche, offene Stimmung, die ich in diesem Haus erlebt habe, die Herzlichkeit, mit der ich empfangen wurde, das hat mich bewegt.

Sie alle sind über die berühmt-berüchtigte Balkanroute nach Deutschland gekommen. Über die Türkei nach Griechenland und so weiter. Einen großen Teil der Strecke sind Sie zu Fuß gegangen, haben vielfach ihr Leben riskiert um an ihr Ziel zu kommen. Deutschland.

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Der Deutschunerricht spielt eine zentrale Rolle in der Unterkunft in Trostberg.

Ich habe dann an die Bilder gedacht, die zurzeit auf Facebook kursieren. Bilder von vermeintlich von Flüchtlingen vermüllten Zügen, Straßen und Camps. Zum Teil stellen sie sich als Bilder von vor 20 Jahren heraus, zum Teil als direkte Montagen. Es herrscht ein Bilderkrieg. Stimmungsmache mit Bildern. Und das schlimme ist: es funktioniert. Ein Grund mehr positive Bilder zu posten und zu zeigen. In den nächsten Tagen werde ich den Beitrag über das Haus im Pfarrverband Feichten posten. Zeigen, wie diese jungen Männer, so alt wie ich, leben und dank der guten Arbeit des Helferkreises als unsere Gäste und Mitmenschen, egal ob Christ oder Muslim, willkommen geheißen und integriert werden.

Zum Schluss noch eins: Naseer trug bei unserem Dreh gestern ein T-Shirt mit der Aufschrift „I kon fliang“ (Ich kann fliegen). Ich hab ihn gefragt: Weißt du was das heißt?
Und er: „Ja. Fliegen. Wie Vogel.“

Lieber Naseer, lieber Gufran, und all ihr anderen, die ihr mich gestern in eure Leben, euren Alltag habt schauen lassen. Die ihr mich mit einem Lächeln und einem ehrlichen festen Händedruck begrüßt und wieder verabschiedet habt:

Ich wünsche euch, dass ihr fliegen könnt. Frei von Angst, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland in eine gute Zukunft starten könnt. Und wenn ich mit meinem Fernsehbeitrag nur einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dann macht mich das richtig froh. Willkommen in Deutschland!“

Fotos: Christine Limmer

Das ist der Beitrag, den ich dort gedreht habe:

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