Skigebiete: Auf braunen Pisten ins neue Jahr

Es gibt nichts Schöneres als am Neujahrstag Skifahren zu gehen. Wenn alle noch ihre Kopfschmerzen aus der Silvesternacht auskurieren, sind die Lifte meist leer. Allerdings macht fahren auf braunen Pisten wenig Spaß. Schnee? Fehlanzeige.

Mit Skistiefeln auf der grünen Wiese beim Sonnen
Mit Skistiefeln auf der grünen Wiese beim Sonnen

Für uns zwei ist es seit ein paar Jahren jetzt schon Tradition, dass wir nach den Weihnachtsfeiertagen sofort abdüsen, dem Trubel entfliehen und uns ein paar Tage Ruhe gönnen. Auf einer kleinen Hütte im Allgäu, oberhalb von Wertach, ohne warmes Wasser und ohne Internet. Echte Entschleunigung.

Und natürlich ist das für uns das perfekte Basislager um in den Skigebieten ringsherum die Bretter anzuschnallen und die Pisten hinunter zu jagen. Doch dieses Jahr sah es da echt schlecht aus. Unser Hauslift am Buron hatte auch zu. Wenn man Robert Römer, den Skiliftbesitzer nach dem Schnee fragt, winkt er ab. „Ich denke, dass der Schnee irgendwann Mitte/Ende Januar kommt. Das Weihnachtsgeschäft ist dann gelaufen, aber wir können noch etwas optimistisch auf Ostern warten“, meinte er fast sarkastisch zu uns.

Auf braunen Pisten: Sorry – we are closed

Jungholz-braun
Das Skigebiet Jungholz: drei Pisten – sonst alles grün.

Ende Januar bis Ostern. Gerade einmal zwei Monate Saison. Früher waren es fast vier. Robert Römer bekam bei den Erinnerungen fast glänzende Augen. „An unserem Skilift wurden in den 70er und 80er Jahren noch an die 120-130 Skitage gefahren und das ohne künstliche Beschneiung.“ Heute sieht es da anders aus: „Wir sprechen von einer guten Saison, wenn wir 50-60 Skitage zusammen bringen.“ Allerdings mit Kunstschnee. Die Beschneiungsanlage in dem kleinen Skigebiet ist ziemlich provisorisch. Und das wird sie auch bleiben. Römer möchte nicht in das „sterbende Freizeitangebot“ investieren. Sein Fazit ist pragmatisch: wenn es schneit, fahren wir Ski, ansonsten bleibt das Skigebiet geschlossen.

Für passionierte Skifahrer wie uns sind das harte Worte. Das heißt für uns natürlich auch, dass wir uns für Weihnachten und Silvestern neue Skigebiete suchen müssen. Aber dieses Jahr war es einfach zu warm. Auch die Skigebiete Oberjoch und Balderschwang, Ofderschwang und Grünten hatten wegen Schneemangel geschlossen.

Der Bock des Jahres im Sudelfeld

Auch Freunde von uns hatten Pech. Im Skigebiet Sudelfeld in Oberbayern blieben trotz neuer Beschneiungsanlage alle Pisten grün. Wir haben beim Deutschen Alpenverein nachgefragt, woran das liegt. Jörg Ruckriegel, Umwelt- und Klimaexperte des DAV prognostiziert: „Mehr Niederschläge im Winter, weniger Niederschläge im Sommer. Allerdings ist in den tieferen Lagen verstärkt mit Regen anstatt von Schneefall zu rechnen.“

Skigebiet Kanzelwand fellhorn
Von Schneeverhältnissen wie an der Kanzelwand kann man im Sudelfeld nur träumen

Das Konzept im Sudelfeld ging also nicht auf. Knapp 100 Schneelanzen und Schneekanonen werden hier zur Bekämpfung der grünen Hügel und braunen Pisten eingesetzt, dazu kilometerlange Kabel und Schläuche. Und natürlich die neueste Errungenschaft: Das größte Speicherbecken in einem Skigebiet in Deutschland, um die Anlagen zu versorgen. Für diesen Mammutausbau bekam das Sudelfeld 2014 sogar einen Preis verliehen. Den „Bock des Jahres“ für die größte Umweltsünde im Deutschen Alpenraum.

Völlig zu Recht meint Jörg Ruckriegel. Die Landschaft sei vor allem durch das neue Speicherbecken massiv umgestaltet worden. „Mit den Zielen des Landschaftsschutzgebietes lässt sich das nicht in Einklang bringen.“ Er zweifelt auch daran, ob sich die großen Investitionen des Ausbaus überhaupt langfristig rechnen. Die Erfahrung dieses Jahres zeigt: der Saisonstart ist verpatzt – Trotz Großinvestition.

Alternative: Das Skigebiet Kanzelwand-Fellhorn

Uns blieb zum Skifahren nicht mehr viel Auswahl: Im Skigebiet Jungholz waren drei Pisten offen. Und die waren rappelvoll. Alle Skischulen aus der Umgebung (Mittelberg, Oberjoch, Nesselwang, Jungholz) hatten ihre Kurse auf die Pisten verlegt. Es war ein reines Slalomrennen durch Gruppen von wenig bis unmotivierten Skischülern. Außerdem ein bizarres Bild. Der Sorgschrofen – der Berg an dem das Skigebiet liegt – war komplett grün, die drei Pisten zogen sich wie weiße Geschenkbänder am grünen Hang hinunter, wo hier und da schon die erste Frühlingsblume austrieb.

Herrliches Wetter und leere Pisten am Neujahrsmorgen
Herrliches Wetter und leere Pisten am Neujahrsmorgen

Wir haben uns dann entschlossen ein paar Kilometer mehr zu fahren und die restliche Zeit im Skigebiet Kanzelwand-Fellhorn zu verbringen. Hier waren zwar auch nicht alle Pisten offen (12 von 31 Pistenkilometern), aber immerhin konnte man hier anständig fahren.

Mit 29,50 Euro (mit Studentenrabatt) für die Tageskarte ist das Skigebiet auch noch vergleichsweise günstig. Die drei doch recht kurzen Pisten in Jungholz kosten am Tag 25 Euro. Das steht in keinem Verhältnis.

Als Fazit könnte man zusammenfassen: Wir werden in den nächsten Jahren wohl wieder öfter weiter fahren müssen, um nicht auf braunen Pisten zu fahren. Oder uns Alternativen suchen. Ende Januar werden wir uns im Schneeschuh – und Winterwandern versuchen, da dürft ihr schon mal gespannt sein. Den Idealzustand vergangener Winter, in denen wir die Skier direkt an der Hütte angeschnallt haben und zum Buronlift gefahren sind, können wir wohl ins Reich der guten alten Erinnerungen verbannen. Schade.

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