Über den Watzmann – eine Wanderung über alle Gipfel

Die Watzmann Überschreitung ist für viele Bergsteiger ein „must-do“. Die Tour über alle Gipfel des Watzmanns, also Hocheck, Mittelspitze & Südspitze, gilt als grandiose Grat-Tour, aber auch als echte Herausforderung. Wie schwer ist die Tour wirklich? Wir haben es ausprobiert.

Die Watzmann Überschreitung in Zahlen:

Startpunkt: Parkplatz Wimbachbrücke (Hinterschönau) (Location)

Länge der Strecke: 27,1 Kilometer

Höhenmeter: ca. 2400hm rauf und 2400hm runter

Markante Punkte: Watzmannhaus, Hocheck, Mittelspitze, Südspitze, Wimbachgrieshütte

Dauer: 15-16 Stunden (angegeben), rund 11 Stunden mit Pausen (unsere Zeit) – aufgrund der Länge der Strecke ist die Dauer sehr individuell!!!

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer/schwer (subjektiver Eindruck – mehr dazu unten. Die Länge ist eine Herausforderung – das Klettern an sich empfanden wir nicht als schwierig)

Einkehrmöglichkeiten: Watzmannhaus, Wimbachgrieshütte

YouTube player
Das Video zu unserer Tour über den Watzmann

Unsere Watzmann Überschreitung

Für uns war die Watzmann Überschreitung, wie wahrscheinlich für viele bayerische Bergliebhaber, ein echter Kindheitstraum. Und „ein riesen Ding“. Wir haben zuvor viel darüber gelesen. Überall wird gewarnt. Gefährlich, ausgesetzt, ultra lang, oft unterschätzt. Das schafft schon einen ordentlichen Respekt vor so einer Tour. Und macht sie andererseits aber auch attraktiv.

Wir haben uns informiert: Die Ultra-Sportlichen reißen diese Tour, die immerhin mit 16 Stunden angegeben ist, an einem Tag runter. Wir halten uns ja schon für sportlich – aber wo bleibt denn der Berggenuss? Also haben wir die Tour auf 1,5 Tage angelegt, mit Übernachtung auf dem Watzmannhaus. So ein Hüttenabend gehört doch auch irgendwie zum Bergsteigen dazu – also für uns jedenfalls. Das führte für uns zu folgender Tourenplanung:

watzmann panorama
König Watzmann und seine Kinder

Der Aufstieg auf den Watzmann

Samstagnachmittag sind wir im Berchtesgadener Land, genauer gesagt in Hinterschönau, angekommen. Vom Parkplatz Wimbachbrücke geht es über die Stuben- und die Falzalm hinauf aufs Watzmannhaus. Der Abschnitt ist mit einer Gehzeit von 4 Stunden angegeben, sportliche schaffen es schneller. Wir haben genuss-gesportelt und waren in etwas mehr als 2,5 Stunden oben.

watzmann haus
Das Watzmannhaus auf 1930m

Oben auf dem Watzmannhaus hat man eine grandiose Sicht auf die Berchtesgadener Alpen, das Steinerne Meer und den Königssee. Dazu ein Radler und einen Gulaschsuppe – was braucht es mehr? Richtig: Oropax 🙂 Das Watzmannhaus ist neu renoviert, die Zimmer und Lager sauber und modern, aber keine echte Hüttenübernachtung ohne einen Schnarcher. Also: Ohren zu und durch.

Die Überschreitung

Die Hütte war voll, damit war für uns klar: wir müssen früh los, um nicht „im Stau zu stehen“. Gerade an den engen Gratstellen ist es oft nervig warten zu müssen. Außerdem ist das Gefühl des Alleinseins am Berg etwas Magisches. Also Wecker auf 05.30 Uhr und Abmarsch.

Dann geht es gleich steil hinauf aufs Hocheck. Der Aufstieg dauert rund zwei Stunden. Nach einer kurzen Frühstückspause gehen wir die eigentliche Überschreitung über die Mittelspitze zur Südspitze an. Wir hetzen nicht. Gehen in unserem Tempo flott, genießen immer wieder die genialen Ausblicke über das Tal, den Königssee und die umliegenden Berge. Trotzdem sind wir viel schneller als angegeben. 1,5 statt 3,5 Stunden dauert es vom Hocheck bis zur Südspitze.

watzmann Südspitze
Gipfelbussi an der Südspitze

Der Abstieg:

An der Südspitze bleiben wir etwas länger, gönnen uns die traditionelle Gipfelschokolade. Herrlich! Jetzt steht uns der berühmt-berüchtigte Abstieg vom Watzmann bevor. Die erste Stunde geht es durchs Geröll. Hier ist der gefährlichste Teil des Abstiegs, denn hier herrscht erhöhte Steinschlaggefahr. Ein Helm ist von Vorteil. Danach geht es mitunter steil, aber entspannt hinunter ins Wimbachgries, zur Wimbachgrieshütte. Vom Gipfel zur Hütte haben wir 3 Stunden gebraucht. Wir würden sagen: Das ist der anstrengendste Teil der Tour, da man ja schon einige Stunden hinter sich hat, der Abstieg sehr steil ist, viel Konzentration erfordert und sich echt lange zieht.

Wer mag, gönnt sich an der Wimbachgrieshütte noch etwas zu Essen und zu Trinken – dann geht es los mit dem längeren, aber absolut ebenen „Talhatscher“ zurück zum Parkplatz. Wir haben es uns als Challenge genommen, unsere Wanderstöcke zu Nordic Walking-Tools umfunktioniert und waren recht zügig wieder vorne am Auto. In 1,5 Stunden.

Watzmann im tal
Nach knapp 9 Stunden im Tal angekommen

Allgemeine Hinweise zur Watzmann Überschreitung:

Ehrlich gesagt: Wir waren etwas überrascht. Nicht enttäuscht, aber überrascht. Die sagenumwobene Watzmann Überschreitung hatten wir uns etwas schwerer vorgestellt. Die Länge der Tour ist definitv eine Herausforderung, auch die Gratüberschreitung ist nicht ohne. Aber dennoch kam uns die Tour vom Kletterpart her leichter vor als beispielsweise der Hindelanger Klettersteig im Allgäu.

Aber Schwierigkeit ist definitiv etwas Subjektives. Gerade auch was die Dauer der Tour angeht, lagen wir immer unter der angegebenen Zeit. Es war aber auch wenig los und wir würden uns definitiv als alpin-erfahren und konditionell gut trainiert bezeichnen. Deshalb ist die Dauer der Tour auch individuell sicherlich höchst unterschiedlich – manche werden die Tour bestimmt noch viel schneller machen, andere brauchen die 14-16 Stunden dafür.

watzmann hocheck
Momente für die Ewigkeit – Sonnenaufgang am Hocheck

Fazit:

Die Tour über den Watzmann war eine fantastische Erfahrung. Die Ausblicke rundherum sind phänomenal und der Gratweg ein echtes Erlebnis, wenn auch nicht so herausfordernd wie andere. Dennoch: Die Tour gehört sicherlich in die Kategorie schwer, aufgrund der Länge. Laut Hüttenwirt passieren die meisten Unfälle bei der Watzmann Überschreitung erst im Abstieg. Die Kräfte und die Konzentration lassen nach und gerade die sind bei diesem steilen Abstieg nötig.

Empfehlenswert sind definitiv Wanderstöcke für den Abstieg – das schont die Knie. Unser Klettersteig-Set war uns ehrlich gesagt eher hinderlich, da an vielen Stellen die Drahtversicherung entfernt wurde und an anderen Stellen das Einhängen eher umständlich war, beziehungsweise die Bewegungsflexibiliät durch die Seile eingeschränkt war. Um den Helm waren wir im Abstieg aber sehr dankbar, getroffen hat uns nichts, aber der eine oder andere Stein kommt dann eben doch von oben. Und ein Letztes: Checkt unbedingt das Wetter! Bei Wind, Wetterumschwung oder gar Regen ist diese Tour lebensgefährlich!

2 Gedanken zu „Über den Watzmann – eine Wanderung über alle Gipfel

  • Juni 17, 2020 um 11:36 am
    Permalink

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Ich habe mir auf youtube euer Video angesehen, dass ihr sehr sportlich seid, ist nicht zu übersehen.

    Viel Vergnügen bei euren weiteren Touren, die ihr vlt auch mal aus der Vogelperspektive via Gleitschirm zurücklegen werdet? Es bleibt spannend.

    Antwort
    • August 19, 2020 um 7:37 am
      Permalink

      Liebe Marion,

      danke für dein Feedback!
      Zum Thema Gleitschirm – lustigerweise bin ich gerade dran, meinen Flugschein zu machen.
      Hast du einen?

      LG
      Andrea

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert