Winterklettersteig – Highlight am Arlberg in Tirol

Zwei Stunden über den verschneiten Rendl-Grat am Arlberg, die Ski hinten drauf: Der einzige Winterklettersteig Tirols ist unsere letzte große Herausforderung dieser Saison.

 

Winterklettersteig
Mit den Ski auf dem Rücken geht es zum Gipfel.

Klettern und draußen sein ist wieder in. Und Klettersteig-Fans, die selbst im Winter nicht auf das Vergnügen verzichten wollen, können sich am Arlberg auf der Rendl-Spitze auch bei Minusgraden in die Stahlseile hängen. Seit dem Jahr 2000 gibt es nämlich hoch über St. Anton im Rendl-Gebiet den Arlberger Winterklettersteig. Der einzige in Tirol.

Warum Winterklettersteig?

Klar könnte man versuchen, jeden anderen Klettersteig auch im Winter zu gehen, aber dieser ist speziell für den Winter geplant worden. Das Seil liegt nämlich höher als normal – die Schneemassen müssen schließlich mit einberechnet werden und nicht zu vergessen die Abfahrt: Wer es über den ganzen Steig geschafft hat, den erwartet als Belohnung eine tolle Freeride-Abfahrt im Pulverschnee. Aber natürlich lohnt sich auch der Klettersteig an sich. Während der Gratüberschreitung hat man eine gigantische Aussicht über den Arlberg, die Lechtaler Alpen und sogar bis nach Südtirol.

Wir wollten für unseren Saisonabschluss dieses Jahr nicht „nur“ Skifahren gehen, sondern einmal eine neue Herausforderung wagen. Klettersteige haben wir schon zuhauf gemacht – aber im Sommer! Und Freeriden waren wir auch schon. Aber einen Klettersteig mit Skischuhen und den Brettern auf dem Rücken, das war wirklich einmal etwas Neues! Um ehrlich zu sein konnten wir uns das zuerst gar nicht so recht vorstellen. Rutscht man da auf dem Stein nicht ab? Ist das nicht super unbequem mit den Skischuhen?

Nein! Da wir Touren-Skischuhe mit Gummisohle anhatten, hatten wir super Grip auf dem Fels. Und wenn man die Schuhe locker zuschnallt, hat man genug Fußfreiheit zum Klettern.

Was ist das Besondere?

Winterklettersteig_Tirol
Auf 2.800 Metern wirds ganz schön warm 😉

Es ist ein einzigartiges Erlebnis, mit den Skiern auf den Rücken geschnallt einen Klettersteig zu machen. Man steigt zur Vorderen Rendlspitze (2.816m) auf und kann die ganze Zeit das Panorama des Arlbergs genießen. Zur Krönung nach dem 850 Meter langen Winterklettersteig wählt man eine der Abfahrten und fährt im lockeren Pulver fast 1.500 Hm ins Tal.

Wie kommt man hin?

Von Norden: Über die A95 (München – Garmisch-Partenkirchen) und den Fernpass nach Imst. Dann auf der A12 über Landeck Richtung Arlbergpass nach St. Anton. Am besten parkt man in St. Anton direkt bei der Rendlbahn. Die nimmt man nach oben. Dann geht es die Piste 4 nach unten und die beiden Riffel-Sessellifte bis zur Riffelscharte (2.645m) nach oben. Hinter dem Lifthäuschen ist dann auch schon der Einstieg zum Klettersteig.

Wie verläuft die Route?

Aufstieg: Direkt am Anfang erwartet die Kletterer eine steile Felsstufe. Diese gehört schon zu den anspruchsvolleren Stellen des Klettersteigs. Dann geht es erst einmal am Grat entlang. 80% des Weges stapft man – am Drahtseil gesichert – durch Schnee. Einige ausgesetzte Passagen müssen allerdings bei höherer oder sehr niedriger Schneelage frei gegangen werden, weil das Stahlseil bisweilen unterm Schnee liegt, oder zu hoch liegt. An zwei felsigen Stellen, noch bevor man die Vordere Rendlspitze erreicht, muss man wirklich einmal klettern und überlegen, wo man am besten seinen Tritt setzt.

Der Klettersteig ist mit D eingestuft, es sind allerdings wirklich nur 2-3 schwierige Kletterpassagen drin: Einmal muss man zum Beispiel über einen Felsspalt oder eine sehr enge Scharte nach oben. Immer wieder muss man das Stahlseil übersteigen oder darunter durchschlupfen um die Seite zu wechseln. Dies ist mit Ski am Rucksack gar nicht so einfach! Aber man wird dabei immer besser und am Besten hilft man sich gegenseitig.

Abstieg: Nach dem höchsten Punkt, der Vorderen Rendlspitze (2.816 m), geht es etwas abwärts in eine Scharte, und wieder ein wenig hinauf zur Mitterkarspitze. Das letzte Stück des Steigs ist wirklich kein Problem mehr und schon hat man es geschafft!

Wo kann ich hinunter fahren?

Vom Steig-Ende fährt man etwas hinunter zur Roßfallscharte (2732m). Dort hat man die Wahl: Entweder nach links durch das Malfontal (östl.) bis nach Pettneu oder nach rechts über den Roßfallwinkel (westl.) und die Rossfallalpe in Richtung Moostal und Stankt Anton abfahren. Wer die westliche Variante wählt, kann nach 15 Minuten auch wieder direkt ins Skigebiet zurückkehren.

Wir haben uns für das Malfontal entschieden: Die Abfahrt verläuft zunächst über weite Hänge mit tollem Pulver-Schnee. Nach einem Linksknick geht es dann über den Forstweg nach unten. Wenn hier der Schnee passt – so wie bei uns – ist das echt ne Gaudi! Man fühlt sich wie in der Bob-Bahn. In Pettnau angekommen kann man dann gratis mit dem Skibus nach St. Anton zurück.

Achtung!!! Bei beiden Varianten sollte man vorher unbedingt die Lawinenverhältnisse checken.

Wie schwierig ist der Klettersteig?

Der Winterklettersteig ist mit „D“ (sehr schwierig) angegeben. Es sind jedoch nur einige Stellen sehr schwierig. 80% des Steigs läuft man über Schnee oder Fels – jedoch teilweise ungesichert und ausgesetzt. D kommt aber auch durch die erschwerten Bedingungen zustande: Das hochalpine Gelände, in dem es zur Vereisung kommen kann, die Skier auf dem Rücken oder die Gefahr von plötzlichem Wetterumschwung oder Wind.

Die Route ist also auf jeden Fall nur etwas für Winterfreunde mit Klettersteigerfahrung. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unbedingt erforderlich!

Die Abfahrt per Ski ins Malfontal ist dagegen eher flach und recht einfach. Sie kann locker von durchschnittlichen Fahrern bewältigt werden. Dafür ist die Strecke aber im unteren Bereich ziemlich lawinengefährdet, da es links und rechts steile Hänge gibt. Die Abfahrt ins Moostal ist etwas steiler.

Wie lange dauert die ganze Tour?

Für den Winterklettersteig braucht man 1,5 bis 2 Stunden, man überwindet 170 Hm auf einer Länge von 850m. Rund 20 Prozent erfordern dabei Klettern am Fels. Für die Abfahrt 1 bis 1,5 Stunden

Winterklettersteig
Wenn die Sonne scheint ist der Winterklettersteig ein paradiesisches Erlebnis mit wahnsinniger Aussicht

Wann sollte ich die Tour gehen?

Die beste Jahreszeit ist März oder April. Wir hatten eine gigantische Aussicht, fast keinen Wind und dank der Sonne war es angenehm warm. Der Steig ist am Besten noch bis zum 24. April zu begehen, da bis dahin noch die Bergbahnen laufen und die Kletterer nach oben bringen.

Welche Ausrüstung brauche ich?

Tourenskischuhe, Touren-Ski und für den Notfall eine Lawinenausrüstung. Auf jeden Fall natürlich auch ein Klettersteigset und einen Helm. Sinnvoll ist auch eine ca. 1,5 m lange Bandschlinge mit Karabiner, wenn das Seil einmal weiter weg liegt. Außerdem sollte man bei der Rendl-Bergbahn (Tel. 0043/(0)5446/2352100) erfragen, ob Steigeisen erforderlich sind. Hier kann man auch direkt nachfragen, wie viel Schnee im Steig liegt und wie die Lawinenlage ist.

Was ist sonst noch wichtig?

  • Die Rendlbahn ist bis 24. April in Betrieb, die erste Bergfahrt um 8:45 Uhr. Die einfache Auffahrt kostet 17 Euro pro Person (Stand März 2016) zuzüglich 5 Euro Pfand.
  • Wer lieber im Rahmen einer geführten Tour unterwegs ist, bucht einen Guide bei den Skischulen in St. Anton am Arlberg.
  • weitere Infos gibt es auf www.stantonamarlberg.com.
  • hier gibt es weitere Daten, die Topografie und eine kleine Umgebungskarte.

Fazit:

Der Klettersteig ist landschaftlich wirklich sehr reizvoll. Non-Stop hat man eine gigantische Aussicht und 360° Panorama. Der Winterklettersteig ist definitiv ein spannendes Unternehmen mit hochalpinem Charakter. Für uns war es ein toller Saison-Abschluss.

Wer also einmal Lust auf etwas anderes als Piste oder Klettersteig im Sommer hat, der sollte den Winterklettersteig auf jeden Fall einmal begehen. Wer jedoch auf eine gigantische Abfahrt hin fiebert, wird enttäuscht: Der Downhill durch den Tiefschnee macht zwar Spaß und der Fahrtwind nach dem anstrengend Aufstieg tut gut, aber da gibt es definitiv spannendere Powder-Strecken im Skigebiet.

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